Chronik von Haspelmoor

Im Vergleich zu den umliegenden Ortschaften fällt Haspelmoor „aus der Rolle“. Der dörfliche Mittelpunkt fehlt, ebenso größere, Gehöfte, deren Geschichte weit in frühere Jahrhunderte zurückreichen. Das ehemalige Staatliche Versuchsgut fällt nicht in diese Kategorie.

Vielmehr erinnert Haspelmoor ein wenig an die Siedlungen im östlichen Landkreis, ohne damit seinen durchweg ländlichen Charakter einzubüßen. In unmittelbarer Nähe weist allenfalls die „St.-Martins-Siedlung“ in Mammendorf eine gewisse Verwandtschaft auf.

All dies liegt an der speziellen Entstehungsgeschichte von Haspelmoor. Im Gefolge des Eisenbahnbaus hat man hier - sozusagen in freier Prärie - einen Bahnhof errichtet. Der Grund: Im benachbarten Moor wurde Torf als Heizmaterial für die Lokomotiven abgebaut und musste möglichst unmittelbar von dort aus abtransportiert werden.

Im weiteren Verlauf entstand der „Mooswirt“ - zur damaligen Zeit als Versorgungseinrichtung für die Bahnbediensteten und die Torfarbeiter angelegt.

Noch 1867 präsentierte sich Haspelmoor als eine Art Weiler, bestehend aus sieben Wohnhäusern längs der Bahnlinie - also im Bereich der heutigen Erhardstraße - mit 61 Einwohnern.

Erst nach 1945 beschleunigte sich die Entwicklung, die letztendlich auch zur heutigen Siedlungsstruktur als „Pendlerdorf“ führte. Ursache für die steigende Attraktivität dieser einst so abgelegenen Ecke war nicht zuletzt die Zuganbindung in die benachbarten Großstädte München und Augsburg. Auch haben hier zahlreiche Heimatvertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Zuhause gefunden.

Das ehemalige Staatliche Versuchsgut hat der Freistaat 1972 an einen Privatmann verkauft.

Zeitweise bot auch das Mastimprägnierwerk (Benker) Arbeitsplätze für Einheimische. 1995 wurde der Betrieb geschlossen und die Anlagen komplett abgebaut. Die umwelttechnische Sanierung des Geländes geriet zu einem größeren finanziellen und zeitlichen Kraftakt.

1994 erhielt auch Haspelmoor einen Sakralbau: War in den 60er Jahren kurzzeitig sogar von einem Pfarrzentrum die Rede gewesen, so konnte man nunmehr zumindest eine Kapelle einweihen. Als einer von nur wenigen Kirchenbauten in Bayern ist sie dem Seligen Pater Rupert Mayer geweiht.

Die weitere Entwicklung der Ortschaft ist vorgezeichnet: Das so genannte „Krieglmeier-Areal“ sowie der Bereich südlich der Bahn bieten Raum für eine innerörtliche Bebauung, ohne dabei weiter in die Fläche hinaus zu wachsen.

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